Göttinger Empfehlungen bei Verdacht auf gesundheitliche Beeinträchtigung nach Kabinenluftkontamination

Die Spezialsprechstunde „fume event“ der Universitätsmedizin Göttingen untersucht seit dem Jahr 2014 Patientinnen und Patienten mit gesundheitlichen Beschwerden nach möglicher Kabinenluftkontamination. Die technischen Umstände und gesundheitlichen Folgen sind noch nicht vollständig geklärt und Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Die derzeitigen Empfehlungen basieren daher in erster Linie auf den bisherigen Erfahrungen und veröffentlichten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen der jeweiligen Experten, Arbeitsgruppen bzw. Fachgremien der Arbeitsmedizin, Toxikologie sowie der jeweiligen Fachärzte. Wir versuchen, aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen. Im Einzelfall wenden Sie sich bitte mit diesbezüglichen Fragen im Rahmen Ihrer Untersuchung in unserer Ambulanz an den jeweils betreuenden Arzt/Ärztin.

Humanbiomonitoring

Humanbiomonitoring bietet die Möglichkeit, durch toxikologische Analyse menschlichen Probenmaterials (Blut und/oder Urin), Hinweise auf eine mögliche innere Belastung mit Stoffen oder Stoffgruppen zu gewinnen, die ggf. nicht als Bestandteil der allgemeinen Umwelt gelten, aber als Inhaltsstoffe von Kerosin, Öl oder Hydraulikflüssigkeit vorbeschrieben sind. Unsere Empfehlungen zum Humanbiomonitoring beziehen sich daher auf die in der Diskussion stehende Annahme, dass Kabinenluftkontamination etwa infolge technischer Störfälle entstehen kann, die zur Verunreinigung der „Bleed air“ mit Komponenten von Kerosin, Öl oder Hydraulikflüssigkeit führen kann.

Proben sichern für Humanbiomonitoring im Urin:

Proben sichern für Humanbiomonitoring im Blut

Zum schnellstmöglichen Zeitpunkt nach dem Unfallereignis, idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden, möglichst EDTA-Blut abnehmen lassen, mitgeben lassen, kühl stellen und baldmöglichst einfrieren (Zeitspanne zwischen Entnahme und Einfrieren dokumentieren). Bis dahin sollten die Proben idealerweis zumindest gekühlt werden.

Die Desinfektion des Hautareals sollte vor der Blutentnahme nicht mitlösungsmittelhaltigen Desinfektionsmitteln erfolgen, sondern mit einer Wasserstoffperoxidlösung (AMR 6.2); sofern dies nicht vorhanden ist, bitte den Namen des Desinfektionsmittels notieren und das Hautareal vor der Blutentnahme vollständig abtrocknen lassen.

Aufbewahrung der Proben

Die Blut- und Urin-Proben sollten in einem qualifizierten Labor kurzfristig weiter prozessiert oder schnellstmöglich eingefroren werden (Zeitspanne zwischen Entnahme und Einfrieren dokumentieren), um die Aussagekraft einer späteren Analyse nicht zu gefährden. Bis dahin sollten die Proben idealerweis zumindest gekühlt werden.

Dokumentation und Untersuchung der Beschwerden

Die Gesundheitsbeschwerden sollte zeitnah ärztlich dokumentiert werden, idealerweise bereits im Rahmen der D-ärztlichen Unfallmeldung. Es empfiehlt sich, Beschwerden zwecks Objektivierung möglicher Funktionsstörungen mittels standardisierter diagnostischer Verfahrens abklären zu lassen.